Endokrinologie/ Adipositas/ Diabetologie

Forschungsschwerpunkte des Bereichs Adipositas, Diabetologie und Endokrinologie im SPZ der Charité (Stand 4/2016)

Nicht nur die Betreuung von chronisch kranken Kindern/Jugend und ihren Familien, sondern auch Forschung ist immer Teamwork-

Alle Forschungsprojekte im Bereich "Adipositas bei Kindern/Jugendlichen" werden/wurden in Kooperation mit dem Institut für experimentelle pädiatrische Endokrinologie (Ltg.: Prof. Dr. Heiko Krude) und der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie, sowie externen Kooperationspartnern entwickelt und durchgeführt:

Sie befinden sich hier:

Lifestyle und Adipositas (Kühnen, Overberg, Krude, Wiegand):

Nicht nur körperliche Aktivität und Ernährung sind für die Gewichtsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen von Bedeutung.

Deshalb wird in mehreren Projekten untersucht, ob die Chronobiologie[1] (Schlaf- Wach-Rhythmus; Schlafdauer; Lichtexposition) einen Einfluss auf das Gewicht, den Stoffwechsel und die Pubertät haben.

Welche Lebensmittel gegessen werden hängt vom Geschmack[2] ab. Wir konnten zeigen, dass adipöse Kinder eine verminderte Geschmacksempfindung haben im Vergleich zu normalgewichtigen Gleichaltrigen. Im nächsten Schritt wird nun geschaut, ob diese Eigenschaft angeboren ist oder sich im Rahmen einer Lifestyle-Intervention verändern lässt.

XXL- Extrem adipöse Jugendliche- JA-Studie[3] (Ernert, Bickenbach, Wiegand):

Extrem adipöse Jugendliche sind eine besondere Risikogruppe. Sie zeigen oft schon relevante Folgen ihrer Adipositas (z. B. Metabolisches Syndrom; Stigmatisierung; geringere Chancen bei der Berufsfindung), sind aber die Patientengruppe mit den schlechtesten Aussichten auf eine nachhaltige Gewichtsreduktion. Deshalb ist diese Gruppe seit 2009 deutschlandweit in 5 pädiatrischen Zentren Gegenstand eines Forschungskonsortiums (Konsortiums B des Kompetenznetzes Adipositas (BMBF)- Morbidly obese adolescents). Begleitend zu einer regulären Betreuung werden Lebensqualitäts- und Gesundheitsdaten erhoben und Subgruppen in einem randomisiert-kontrollierten Setting zusätzliche Beratungsoptionen angeboten. Die altersangepasste Indikationsstellung und Vorbereitung einer bariatrischen Operation ist ein weiterer Schwerpunkt des Konsortiums. Die Adipositas-Ambulanz im SPZ der Charité ist eines der 5 pädiatrischen Zentren in Deutschland.

Komorbidität der Adipositas bei Kindern und Jugendlichen (Jödicke; Ernert, Wiegand):

Bei ca. 60% der adipösen Jugendlichen besteht bereits ein Metabolisches Syndrom. Da diese Komorbidität der Adipositas ansonsten erst bei älteren Erwachsenen beobachtet wird, sind Häufigkeit und Verlauf von großem wissenschaftlichen Interesse und Gegenstand unterschiedlicher Forschungsprojekte zu z. B. seltenen Diabetesformen, Fettlebererkrankung; Fettstoffwechselstörungen oder Insulinresistenz.

Durch Beteiligung an multizentrischen Datenbanken (z. B. Adipositas-Patienten-Verlaufsdokumentation[4]) können in diesem Themenfeld auch epidemiologische Fragen anhand großer Fallzahlen beantwortet werden.

Diversity Management & Kinderschutz bei adipösen Kindern/Jugendlichen (Dannemann, Rücker):

In der Adipositas-Ambulanz werden Familien aus > 20 unterschiedlichen Nationen betreut; ca. 60% der Kinder sind nichtdeutscher Herkunft. Fragen des Diversity Management sind deshalb Bestandteil der begleitenden Versorgungsforschung ("Wer braucht was?"). Darüber hinaus wird untersucht, ob extreme Adipositas zu einer Kindeswohlgefährdung führen kann. Dazu wurde ein krankheitsspezifisches Instrument entwickelt und aktuell wissenschaftlich evaluiert.

Ernährung & Essverhalten (Brauchmann; Bau):

Die ernährungswissenschaftliche Untersuchung von Ernährung und Essverhalten soll dazu beitragen typische Konstellationen zu identifizieren und die Zusammenhänge zu z. B. Stoffwechsel, Therapieerfolg und langfristiger Gewichtsregulation zu verstehen. So konnten in Clusteranalysen unterschiedliche Esstypen definiert werden. 

Aufbau einer bundesweiten Datenbank für Kinder und Jugendliche mit hypophosphatämischer Rachitis (Projektleiter: Schnabel / Haffner, MHH):

Seit 10 Jahren werden Patienten mit x-chromosomaler hypophosphatämischer Rachitis (XLH) regelmäßig anthropometrisch untersucht und dabei speziell Daten zur Körperproportierung erhoben. Mittlerweile beteiligen sich 20 Zentren an dieser prospektiven Beobachtungsstudie. Von knapp 90 Patienten liegen regelmäßige Messungen vor. Es ist nun geplant, die Patienten systematisch in eine Datenbank zu überführen.

ParDi (Heinrich; Raile)

"Krankheitsverarbeitung in der Adoleszenz: Parkour-Diabetes-Projekt (ParDi-Projekt)"

Fragestellung: Hat ein ressourcenstärkendes Interventionsprogramm (Parkour-Training) einen messbaren positiven Einfluss auf die Lebensqualität, die eigene Selbstwirksamkeit und Qualität der Stoffwechseleinstellung (HbA1C) bei Jugendlichen mit Typ-1 Diabetes und schlechter Stoffwechseleinstellung?

Unsere Arbeitsgruppe hat ein Bewegungsprojekt konzipiert, das jungen Menschen mit Diabetes im adoleszenten Alter in ihrer Selbstwirksamkeit stärken, ihre Lebensqualität erhöhen und eine konsequentere Umsetzung der Diabetestherapie ermöglichen soll.

Eine Vielzahl von Studien weist darauf hin, dass Jugendlichen in dieser weichenstellenden Phase eine höhere Krankheitsakzeptanzproblematik aufweisen, die sich negativ auf die Therapieumsetzung auswirken kann. Aus diesem Grund sehen wir einen dringenden Bedarf, Jugendliche mit Diabetes nicht nur über die klassischen medizinischen Einflusswege der Wissensvermittlung (Diabetesschulung) und Optimierung der Insulintherapie, sondern auch über eine nachhaltige Stärkung des Gesundheitsbewusstseins in ihrer Stoffwechselkontrolle günstig zu beeinflussen.

Bedarfserhebung zu Unterstützungs- und Entlastungsmöglichkeiten für Angehörige pflegebedürftiger Kinder in Berlin           (Fachstelle MenschenKind; Heinrich)

Die Bedarfserhebung erfolgt durch die Fachstelle MenschenKind in Kooperation mit der CharitéUniversitätsmedizin Berlin, Sozialpädiatrisches Zentrum durch Michaela Heinrich.


[1] Kooperation mit C. Vetter (Yale), T. Rönneberg (München)

[2] Kooperation mit Th. Hummel (Dresden)

[3] Koordination M. Wabitsch (Ulm)

[4] Kooperation R. H. Holl (Ulm)